20. Ausgabe der „MiGazette“

20. Ausgabe der „MiGazette“

Editorial

Liebe Leser*innen,
die MiGazette feiert mit dieser Ausgabe ein besonderes Jubiläum: Dies ist die mittlerweile 20. Ausgabe unserer Zeitschrift. Dadurch, dass sie zwei Mal pro Jahr erscheint, dürfen wir gleichzeitig das zehnjährige Bestehen unseres Redaktionsteams feiern. Darauf sind wir durchaus stolz.
Unser Jubiläum wollen wir aber auch nutzen, um die Zeitschrift leicht zu überarbeiten. Diese Ausgabe stellt eine Etappe dazu dar.
Unser Wunsch ist es, näher an euch Leser*innen zu sein—der damit verbundene Wechsel vom Siezen zum Duzen ist hoffentlich für alle hier in Ordnung.
Unsere Zeitschrift soll weiter den Blick auf tolle Veranstaltungen des vergangenen Jahres richten—wir wollen aber auch mit Fokus auf die Gegenwart und auf die Zukunft schreiben. So findet ihr in dieser Zeitschrift neue Kategorien, die uns in der Auswahl der Artikel und im Schreibprozess bereits etwas geholfen haben.
Neben einem deutlich kürzeren Rückblick auf das vergangene halbe Jahr werdet ihr künftig regelmäßige Updates im Bereich Integration lesen können. Ebenso sollen Tipps zum interkulturellen Erleben der Stadt Siegen gegeben werden. Unsere Migrantenselbstorganisationen sollen nicht nur vorgestellt werden, im Idealfall sollen sie selbst bei Wunsch auch verstärkt Themen einbringen können. Dazu helfen regelmäßige Interviews, Reportagen oder Themenartikel dabei, den Blick auf aktuelle Fragen oder Problemstellungen zu richten.
Neben Neuem gibt es in dieser Ausgabe aber auch Altbewährtes zu finden: So sollen weder die Medienempfehlungen, noch der Rezepttipp oder das bewährte Adressverzeichnis fehlen, mit dem schnell wichtige Ansprechpersonen gefunden sind.
In dieser 20. Ausgabe stellt sich unter anderem der neugegründete Pflegeverein Siegen Onecare World e.V. vor und die ägyptische Gruppe und der Verein Litera e.V. sind mit Artikeln vertreten.
Im Rückblick präsentieren wir die Demokratiekonferenz, die interkulturellen Tage sowie die spannende Ausstellung der Uni Siegen zu Weber*innen im Iran. Die interkulturellen Tipps warten unter anderem mit einem neuen Sprachcafé und der Vorschau auf die Afrikatagung auf. Olena Vaylenko hat uns einen tollen Erfahrungsbericht zum Projekt „Lehrkräfte plus“ eingesendet. Und Micha Sommer vom Redaktionsteam hat sich mit Fatma Fatma Genç und Serpil Çöl vom Familiensportverein Geisweid getroffen, die im Interview der Ausgabe mit einigen Klischees aufräumen und den Frauensport des Vereins vorstellen, der sich im Umfeld des islamischen Zentrums Geisweid gegründet hat.
Bevor wir euch auf diese und viele weitere spannende Beiträge loslassen, möchten wir noch einer anderen Person Danke sagen: Danke an Hanna Prentki vom AWO Kreisverband Siegen-Wittgenstein/Olpe, die im Februar 2024 im Redaktionsteam der MiGazette begonnen hat und die es nun beruflich und privat nach München zieht. Hanna, wir wünschen dir auf deinem weiteren Weg alles Gute, bleib so, wie du bist!
Wir wünschen euch allen einen guten Start ins neue Jahr 2026 und viel Freude beim Lesen dieser Zeitschrift.
Euer Redaktionsteam

20. Ausgabe_MiGazette_2025
Alle Ausgaben finden Sie hier.

Not Done Yet: Koloniale Kontinuitäten

Not Done Yet: Koloniale Kontinuitäten

Ausstellung Museum für Gegenwartskunst Siegen
19.09.2025–25.01.2026

Geschichte reflektiert die Werte einer Gesellschaft und befindet sich zugleich in einem stetigen Wandel. Dabei nimmt die Sichtbarmachung der Deutschen Kolonialgeschichte und die Verflechtungen mit Geschichten anderer europäischer Kolonialmächte eine wichtige Rolle ein. Ausgangspunkt der Ausstellung Not done yet.Koloniale Kontinuitäten ist eine peruanische Silberschale, die durch den transatlantischen Sklavenhandel in den Besitz von Fürst Johann Moritz von Nassau-Siegen (1604–1679) gelangte.

Im Jahr 1658 übergab er diese als Taufschale an die evangelische Kirchengemeinde Siegens, wo sie bis heute verwendet wird. Welchen Einfluss haben die Auswirkungen der Kolonialzeit auf die Nutzung und Wahrnehmung von Objekten? Die Künstler*innen Mariana Castillo Deball, patricia kaersenhout und Anina Major setzen sich mit dieser Fragestellung, dem Fortwirken von kolonialen Strukturen in unserer Gesellschaft und möglichen Formen einer künstlerischen Selbstermächtigung auseinander. Ihre Skulpturen, Videos und Zeichnungen machen diese Kontinuitäten in vielfältiger Weise sichtbar. Kunst wird zum Ankerpunkt um Widersprüche zu verhandeln und einen Raum für neue Perspektiven und Erfahrungen zu öffnen.

Mit Werken von
Mariana Castillo Deball
patricia kaersenhout
Anina Major

Kuratiert von Jessica Schiefer

 

Programm zur Ausstellung

7. November, 16 Uhr: Gespräch – Antikolonialer Spaziergang durch Siegen mit Lea Weckert und Jessica Schiefer
20. November, 18 Uhr: Kuratorinnenführung mit Jessica Schiefer
2. Dezember, 15 Uhr: Gespräch – Antikolonialer Spaziergang durch Siegen mit Lea Weckert
9. Dezember, 18 Uhr: Filmscreening und Gespräch zu „Der vermessene Mensch” mit Serge Palasie
16. Januar, 11 Uhr: Community-Workshop-Day. Gemeinsam Dekolonial Denken
17. Januar, 15 Uhr: Gespräch – Koloniale Kontinuitäten im Rahmen des Antikolonialen Spaziergangs durch Siegen mit Lea Weckert

Text © Museum für Gegenwartskuns Siegen
Bild © Keyvisual_Mariana Castillo Deball, Amarantus, 2021, Edition, Courtesy the artist and MGKSiegen

Filmscreening und Gespräch zu „Der vermessene Mensch“ mit Serge Palasie

Filmscreening und Gespräch zu „Der vermessene Mensch“ mit Serge Palasie

Not done yet. Koloniale Kontinuitäten

Im Berlin des späten 19. Jahrhunderts forscht der Ethnologe Alexander Hoffmann (Leonard Scheicher) an der Friedrich-Wilhelms-Universität. Bei der „Deutschen Kolonial-Ausstellung“ begegnet er der Dolmetscherin Kezia Kambazembi (Girley Charlene Jazama) aus „Deutsch-Südwestafrika“ und beginnt, die gängigen Rassentheorien zu hinterfragen. Nach dem Aufstand der Herero und Nama reist Hoffmann mit der kaiserlichen Armee nach Afrika. Offiziell sammelt er Artefakte, tatsächlich sucht er Beweise für seine Thesen – und Kezia. Vor Ort wird er Zeuge der brutalen deutschen Kolonialverbrechen und gerät selbst in moralische Konflikte, als er menschliche Überreste für die Forschung nach Berlin sendet (Spielfilm 2022, 1h56, Regie Lars Kraume).

Serge Palsie arbeitet als Fachpromotor Entwicklungspolitische Bildungsarbeit Fokus Afrika beim Eine Welt Netz NRW. Seine Schwerpunkte sind u.a. die Folgen der transatlantischen Umverteilungsgeschichte, wozu unfaire globale Handelsbeziehungen, Klimaungerechtigkeit und Rassismus zählen.

Ort: Foyer des Museums für Gegenwartskunst Siegen
Unteres Schloss 1, 57072.
Zeit: 9. Dezember 2025, um 18:00 Uhr
Eintritt frei.

Eine Veranstaltung von: Museum für Gegenwartskunst Siegen und Mediathek gegen Rassismus und Diskriminierung

Foto ©studiocanal

Rausländer – unsere Koffer sind gepackt

Rausländer – unsere Koffer sind gepackt

Lesung mit Waslat Hasrat-Nazimi

Der alltägliche Rassismus und seine tiefe Verwurzelung in unserer Gesellschaft zeigt sich nicht nur in «Ausländer raus»-Gesängen oder Hakenkreuz-Schmierereien im Straßenbild. Menschen mit internationaler Familiengeschichte sind regelmäßig Diskriminierung ausgesetzt, müssen Übergriffe fürchten und bangen um ihre Sicherheit. Frau Hasrat-Nazimi beleuchtet, wie Betroffene konkret diesen Hass erleben, welche Auswirkungen dies auf ihr alltägliches Leben hat und zunehmend von Angst, Ausgrenzung und einer allgemeinen Entfremdung geprägt wird. Sie kommt zu dem Schluss, dass sich immer mehr eingewanderte Menschen diesem nicht länger aussetzen wollen und sich in der Konsequenz von Deutschland abwenden. Die Autorin sucht nach Wegen, der zunehmenden Polarisierung und Hetze entgegenzuwirken und plädiert für eine Gesellschaft, die für Vielfalt und gegenseitigen Respekt steht.

Waslat Hasrat-Nazimi (geb. 1988) ist deutsch-afghanische Journalistin und Moderatorin. Sie leitet die Afghanistan-Redaktion der Deutschen Welle. Als Kind flüchtete sie mit ihrer Familie aus Afghanistan nach Deutschland, wo sie aufgewachsen ist. Heute nennt sie beide Länder ihre Heimat. Mit ihrer journalistischen Arbeit in beiden Ländern und der Erfahrung aus ihrer eigenen Integrationsgeschichte baut sie Brücken zwischen beiden Kulturen – nah dran an den Themen afghanischer Menschen weltweit. Für ihr Bemühen um die Verbesserung der schwierigen politischen Situation und ein besseres Verständnis zwischen den Völkern wurde sie 2015 als erste afghanische Journalistin mit dem „Rumi Appreciation Award“ ausgezeichnet. Sie lebt mit ihrer Familie in Bonn.

Im Anschluss an die Lesung besteht die Gelegenheit zur Diskussion und gegenseitigem Austausch.

  • Wann: Donnerstag, 27.11.2025, 19:00 Uhr (Einlass 18:30 Uhr)
  • Wo: BlueBox Siegen, Sandstr. 54, 57074 Siegen
  • Der Eintritt ist frei.

„Bluebox“ des Stadtjugendring Siegen e. V.
Kommunale Integrationszentrum Kreis Siegen-Wittgenstein
Mediathek gegen Rassismus und Diskriminierung von VAKS e. V.

 

Neu vom Netzwerk gegen Diskriminierung: Schwerpunktthema des Jahres

Neu vom Netzwerk gegen Diskriminierung: Schwerpunktthema des Jahres

Das Netzwerk gegen Diskriminierung Siegen setzt sich für eine vielfältige und diskriminierungsfreie Gesellschaft ein. In unserer Arbeit bündeln wir Kräfte, um diskriminierende Strukturen zu erkennen, zu benennen und nachhaltig zu verändern. Das Netzwerk engagiert sich in verschiedenen Bereichen, sei es durch Aufklärungsarbeit, den Austausch über verschiedenste Diskriminierungserfahrungen in der Region oder die Unterstützung von Betroffenen.
Das Netzwerk gegen Diskriminierung hat sich dazu entschieden, jedes Jahr ein anderes Schwerpunktthema in den Fokus der Netzwerkarbeit zu rücken. In diesem Jahr werden wir uns auf Diskriminierung aufgrund von Queerness konzentrieren, um auf die Herausforderungen aufmerksam zu machen, die Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität erfahren.
Queer ist ein Sammelbegriff für Menschen, deren geschlechtliche Identität und/oder sexuelle Orientierung nicht der gesellschaftlichen Norm von „männlich/weiblich“ oder „heterosexuell“ entspricht. Dazu zählen beispielsweise lesbische, schwule, bisexuelle, trans- oder intergeschlechtliche Personen sowie Menschen, die sich keiner dieser Kategorien eindeutig zuordnen möchten.
Queere Menschen sind in vielen Lebensbereichen nach wie vor mit Benachteiligungen konfrontiert. Sie erleben oft Diskriminierung, Ablehnung und Gewalt, sei es im privaten Umfeld, im Arbeitsleben oder im öffentlichen Raum. Diese Diskriminierungen können in Form von Vorurteilen, Beleidigungen oder auch struktureller Ungleichbehandlung auftreten und beeinträchtigen das Leben und Wohlbefinden der Betroffenen massiv.
Besonders problematisch ist, dass diese Diskriminierung nicht immer offensichtlich ist und sich oft in subtilen, aber nachhaltigen Formen zeigt. So haben queere Menschen in vielen Gesellschaftsbereichen noch immer mit Vorurteilen, eingeschränkten Rechten und einem Mangel an Akzeptanz zu kämpfen. Auch die gesellschaftliche und rechtliche Anerkennung ihrer Identität ist noch nicht überall selbstverständlich.
Leider sind auch in Siegen queere Menschen immer wieder Opfer von Hass und Gewalt. In den letzten Jahren kam es immer wieder zu Vorfällen, die auf Queerfeindlichkeit hinweisen. Beispielsweise kam es im queeren Beratungs- und Begegnungszentrum andersROOM, einem wichtigen Anlaufpunkt für queere Menschen in Siegen, immer wieder zu Einbrüchen und Vandalismus. Diese Angriffe zeigen, wie akut das Problem der Queerfeindlichkeit auch in unserer Region ist.
Diese Vorfälle haben uns dazu bewegt, das Thema Diskriminierung aufgrund von Queerness dieses Jahr in den Mittelpunkt unserer Arbeit zu stellen. Es ist uns ein Anliegen, ein Bewusstsein für die Herausforderungen zu schaffen, die queere Menschen tagtäglich erleben.
Im Rahmen unseres Schwerpunktthemas für das Jahr 2025 wird das Netzwerk gegen Diskriminierung eine Reihe von Veranstaltungen und Aktivitäten durchführen. Ziel ist es, das Thema in der Öffentlichkeit sichtbarer zu machen, Aufklärung zu betreiben und vor allem Betroffenen eine Stimme zu geben. Zu den geplanten Aktionen gehört unter anderem ein Stand zum Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie (IDAHOBIT) am 17. Mai 2025 in der Innenstadt von Siegen, sowie ein eigener Stand beim CSD Siegen am 26. Juli 2025.
Mit diesen Aktionen möchten wir nicht nur das Thema Queerfeindlichkeit thematisieren, sondern auch für eine Gesellschaft eintreten, in der jede*r, unabhängig von sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität, gleiche Rechte und Chancen hat.
Wir laden alle Menschen ein, sich gemeinsam mit uns für eine diskriminierungsfreie und respektvolle Gesellschaft einzusetzen. Denn nur gemeinsam können wir eine Zukunft schaffen, in der Vielfalt gefeiert und nicht als Bedrohung wahrgenommen wird.
Weitere Veranstaltungen werden im Laufe des Jahres auf unserer Homepage angekündigt.

Netzwerk gegen Diskriminierung

Symbolbild: pixabay.com